Katzenhilfe Hannover e.V.
Katzenhilfe Hannover e.V.

1. Dezember –                                    Runer, unser sensibler Traumkater

Mein Name ist Runer und ich werde auf ca. 1,5 Jahre geschätzt. Ich bin während einer Kastrationsaktion in Evern mit eingefangen worden.

Auf einmal saß ich in der Falle, obwohl die Tierschützer über mein Dasein gar nichts wussten. Zu diesem Zeitpunkt war ich ein noch unkastrierter Kater, der durch die permanenten Revier- bzw. Katerkämpfe zur Paarungszeit in einem bedauernswerten Zustand war.
Mein Erzfeind in dem Ort war Bibi. Auch Bibi war ein unkastrierter Kater, der den gesamten kleinen Ort als sein Eigen ansah und diesen dementsprechend verteidigte. Bibi hat mir mitunter ganz schrecklich zugesetzt und wenn er mich verprügelte, war ich ihm deutlich unterlegen. Bibi ist nämlich ein sehr großer Kater mit über 7 kg Gewicht, ein ganz großer Haudegen und dazu noch kampferprobt. Ich habe so gut es ging versucht, ihm aus dem Weg zu gehen, aber leider hat er mich immer wieder aufgespürt.
 
Ich wusste, dass Bibi in dem Ort eine Stelle hat, an der er gefüttert wird. Ich habe dann immer wieder versucht, auch etwas von dem Essen abzubekommen. Leider hat dies sehr oft nicht funktioniert, denn entweder hat Bibi mich ordentlich vertrimmt oder die Menschen haben mich vertrieben, da sie nicht wollten, dass auch ich dort etwas esse.Auch an einer zweiten Futterstelle in diesem Ort bekam ich nichts zu essen, denn hier war es das gleiche Problem wie an der anderen Stelle. So irrte ich ständig umher, um etwas Essbares zu finden. Hunger war neben den täglichen schmerzhaften Revierkämpfen mein ständiger Begleiter. Dennoch blieb ich in diesem Ort und versuchte immer wieder irgendwo unterzukommen bzw. jemanden zu finden, der mir zu essen gab.
Die Menschen, die mich nun eingefangen haben und betreuen, vermuten sogar, dass ich ein Sohn von Bibi sein könnte.
 
Als ich direkt nach dem Einfangen zum Tierarzt kam, wurde ich schlafen gelegt und meine vielen entzündeten Bisswunden wurden gereinigt und versorgt. Während dieser Behandlung wurde ich dann auch gleich kastriert. Meine Ohren wurden gereinigt und, und, und. Als der Tierarzt allerdings mein Gebiss sah, erschrak er. Meine Zähne waren trotz meines jungen Alters in einem üblen Zustand. Einige waren bis tief an den Kiefer weggebrochen und ich hatte Entzündungen in der Mundhöhle. Ich habe auch mitbekommen, dass mir, während ich schlief, Blut abgenommen wurde. Ich habe die Menschen belauscht, als sie darüber gesprochen haben. Irgendwie habe ich zudem mitbekommen, dass das wohl nötig war, um meine Entzündungswerte bzw. meine Organwerte bestimmen zu lassen. Daneben wurde auch so ein Test gemacht, ob ich eine dieser hoch ansteckenden Katzenkrankheiten habe, also dieses FIV oder Leukose. Das haben insbesondere die unkastrierten Kater, die sich ständig prügeln und sich dann dabei mit diesen Krankheiten gegenseitig anstecken.
Diese ganzen Blutuntersuchungen haben den Ärzten einen guten Überblick darüber verschafft, was die Abheilung meiner Wunden betrifft und wie es mir geht. Alle haben sich sehr gefreut, dass ich keine der ansteckenden Katzenkrankheiten habe. Da habe ich mich einfach mitgefreut, denn das scheint wohl richtig klasse zu sein.
 
Da ich ein wirklich sehr ängstliches Katerchen bin, der nie eine Anbindung zu Menschen hatte und da ich obendrein mit einigen Menschen auch schlechte Erfahrungen gemacht habe, war für mich der Aufenthalt auf der Pflegestelle zuerst recht unheimlich. Ich war noch nie in geschlossenen Räumen und in einer so engen Nähe zu Menschen. Das war richtig aufregend für mich.
Die Menschen von der Katzenhilfe wussten auch, dass es eine lange Zeit dauern würde, bis ich mich nach und nach erhole. Trotzdem gaben sie mir die Möglichkeit, bei ihnen einzuziehen und mit ihrer Pflege gesund zu werden. Es war nicht nur für mich eine Herausforderung, sondern auch für die Menschen, da die wussten, dass es für mich mit richtig Stress verbunden ist, auf der Pflegestelle sein zu müssen. Aber in dem Zustand, in dem ich war, konnte ich nicht einfach auf die Straße zurückgesetzt werden.
 
In einer weiteren Unterhaltung habe ich dann mitbekommen, dass eigentlich ein anderer Tierschutzverein für den Ort Evern zuständig gewesen wäre, was das Einfangen der dort ansässigen Katzen betrifft sowie das Kastrieren, um sie dann in ihr Revier zurückzusetzen, weil die meisten von uns eben sehr viel Angst vor Menschen haben. In meinem Fall sprach man aber davon (genau wie bei Bibi, der ja nun auch eingefangen werden musste), dass solche Kater wie wir ein „wirtschaftlicher Totalschaden“ wären, der nicht nur zu teuer in der tierärztlichen Versorgung ist, sondern dass man zudem auch nicht so viel Zeit in uns investieren wolle, da wir dann anderen Katzen den Platz in den Unterkünften wegnehmen würden. Man sprach davon, dass solche Kater wie Bibi und ich am besten nur noch in den Himmel geschickt werden.
 
Als die Frauen von der Katzenhilfe das gehört haben, entschieden sie, obwohl Evern ziemlich weit weg von Hannover liegt, die Einfangaktion von Bibi, mir und den anderen Katzen selbst durchzuführen.
Als ich bei der Katzenhilfe Hannover einzog, wog ich nur knapp 2,9 kg, was natürlich viel zu wenig für einen Kater wie mich ist. Dann gab es da noch die vielen Verletzungen, die mir zusetzten und das schlechte Gebiss mit den (bis zum Kieferkamm) tief abgebrochenen Zähnen sowie Entzündungen in meiner Mundhöhle.
Da mein Allgemeinzustand noch so schlecht war und auch meine Bisswunden zunächst abheilen mussten, sollte ich erst einmal gepäppelt werden, bevor es möglich war, mich in Narkose zu legen, um meine Zähne sanieren zu lassen. Es war von Anfang an klar, dass ich hierfür länger in Narkose liegen muss und die hätte ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht so gut vertragen bzw. im schlimmsten Fall gar nicht überlebt.
 
Ich wurde über zig Wochen gepäppelt und sehr gut versorgt. Ich war zuerst bei Doro. Das ist eine Tierärztin, die für die Katzenhilfe im Ehrenamt tätig ist. Die hat viel Erfahrung mit solch „demolierten“ Katzen wie mir und hat zudem eine ganz, ganz ruhige Art.
Ich war zwar die erste Zeit mächtig ängstlich und skeptisch, aber ich saß in einer Pflegekabine mit einer tollen Kuschelhöhle und einer Transportbox. In beiden Dingen konnte ich mich verstecken, wenn mir etwas unheimlich war.
Was ich richtig toll fand, war, dass ich jeden Tag zigmal etwas zu essen bekommen habe, ohne darum betteln oder kämpfen zu müssen. Zuerst gab es immer ein ganz klein wenig mit meinen Medikamenten drin und wenn ich das aufgegessen hatte, dann bekam ich eine große Portion hinterher. So konnte die Doro sicher sein, dass ich auch wirklich meine Medikamente esse. Ich hab ja noch nicht zugelassen, dass sie mich anfasst, um mir meine Tabletten direkt eingeben zu können.
 
Im Laufe der Zeit habe ich dann gemerkt, dass die Menschen, die mich nun betreuen, mich weder verjagen, noch anschreien oder sogar versuchen, nach mir zu schlagen. Ich wurde somit nach den ersten Wochen immer ruhiger und fing dann auch an, auf mein Essen zu warten, indem ich außerhalb meiner Kuschelhöhle saß und erwartungsvoll nach dem Napf samt Doro Ausschau hielt. Mit der stoischen Ruhe von Doro bekam diese es dann auch hin, dass sie mir während des Fressens mit zwei Fingern über das Köpfchen streicheln konnte. Ich ließ sie auch gewähren und als sie den anderen davon erzählte, haben die sich wie Bolle gefreut.
 
Nachdem ich ein paar Wochen gepäppelt wurde, nahm ich kontinuierlich zu und mein Allgemeinbefinden war jetzt so gut, dass ich für die Zahnsanierung in Narkose gelegt werden konnte.
Bevor diese Operation aber durchgeführt wurde, wurde ich noch einmal ganz genau in der Tierklinik untersucht. Die Menschen von der Katzenhilfe wollten vorab einen Ultraschall von meinem Herzen durchführen lassen, da ich manchmal in eine wohl für Katzen untypische Atmung verfiel. Leider wurde dann auch festgestellt, dass ich eine linksseitige Herzinsuffizienz habe, die wohl angeboren ist oder die sich bei mir entwickelt hat, da ich nie ausreichend zu essen hatte.
Jetzt waren die Frauen von der Katzenhilfe mächtig aufgeregt, als der Tag kam, an dem ich in Narkose gelegt werden musste, damit meine Zähne behandelt werden können. Vorab bekam ich über einige Zeit Herzmittel, um die Narkose besser verkraften zu können.
Als die Menschen von der Katzenhilfe dann den Anruf bekamen, dass ich die Narkose und die Zahnbehandlung gut überstanden habe, da habe ich die Steine, die denen von der Seele gefallen sind, bis in die Tierklinik plumsen hören. Dennoch musste ich noch eine Nacht zur Beobachtung in der Tierklinik bleiben: Sicher ist sicher.
 
Nun, nachdem auch in meinem Mäulchen alles wieder okay war, ging es mir immer besser. Mittlerweile durfte mich Doro auch schon ganz vorsichtig bürsten, was ich sehr genoss.
Dann haben die Leute von der Katzenhilfe entschieden, mich auf eine andere Pflegestelle zu bringen, da ich sowohl physisch als auch psychisch nun stabil war. Bei Doro konnte ich nicht länger bleiben, da sie der Pflegeplatz für besonders kranke Katzen ist. Also zog ich bei der Jenny ein.
 
Bei Jenny habe ich die ersten Tage dann auch wieder gebraucht, um mich an alles zu gewöhnen. Eine neue Umgebung, neue Gerüche, ein neuer Mensch – die Jenny, und neue Umgebungsgeräusche. Da war ich natürlich erst einmal wieder mega skeptisch und habe mich in meinen Schutzbunker, meine Kuschelhöhle (die Doro mir mitgegeben hat) zurückgezogen.
Nach ein paar Tagen habe ich dann aber gemerkt, dass die Jenny ganz knorke ist. Allerdings habe ich mich trotzdem in der ersten Zeit hinter dem Sofa versteckt. Von dort konnte ich die Jenny genau beobachten. Auch bei Jenny bekomme ich regelmäßig mein Essen und sie versucht mit mir zu spielen. Spielen kenne ich nicht, da ich auf der Straße geboren wurde und dort gelebt habe. Zuerst hat Jenny versucht, mit der Spielangel mit mir zu spielen. Davor hatte ich die erste Zeit noch sehr viel Angst. Mittlerweile finde ich das Ding richtig toll.
 
Ich habe nun eine ganze Wohnung für mich alleine, die ich nach und nach erkunde. Meine Lieblingszimmer sind das Wohnzimmer und die Küche. Die Küche ist einfach klasse. Hier bereitet Jenny mir immer mein Essen zu. Geht Jenny in die Küche, folge ich ihr. Es könnte ja sein, dass ein Häppchen für mich abfällt, denn ich fresse für mein Leben gerne.
Vor Kurzem hatte die Jenny eine Freundin zu Besuch. Da bin ich erstmal wieder hinters Sofa geflüchtet und habe von da aus die Lage gecheckt. Als beide Frauen dann in die Küche gegangen sind, bin ich ruck zuck hinterher und bin beiden Mädels um die Beine rumgeeiert. Das funktioniert immer ganz gut, um ein Leckerli abzustauben. Ich habe mich sogar von Jennys Freundin kurz streicheln lassen, da sie sich ganz vorsichtig auf mich zubewegt hat und für ein Leckerli tue ich mittlerweile alles.
 
Es gibt noch immer Momente, in denen ich mich dann doch über irgendetwas erschrecke – ein Türenknallen im Wohnhaus z. B. oder wenn mal etwas runterfällt. Dann renne ich sofort hinter das Sofa. Wenn ich aber dann merke, dass nichts Schlimmeres auf mich zukommt, traue ich mich relativ schnell wieder heraus.
Die Leute von der Katzenhilfe sind mit mir und meinen Fortschritten super zufrieden und sie freuen sich über jeden meiner Fortschritte. Ich selbst hätte nie gedacht, dass ich tatsächlich einmal mit Menschen unter einem Dach leben könnte, aber mir wird jeden Tag aufs Neue gezeigt, dass ich keine Angst mehr zu haben brauche.
 
Was ich mir wünsche?
Ich wünsche mir ein Zuhause, in dem ich so lieb gehabt werde, wie ich bin. Ich werde mit Sicherheit auch eine Weile brauchen, um in meinem neuen Zuhause ankommen zu können. Ob ich mal ein Kater sein werde, den man durch die Wohnung tragen kann? Eher nicht! Noch nicht zumindest. Es wäre auch toll, in einem neuen Zuhause einen Katzenkumpel oder ein Katzenmädchen an meiner Seite haben zu können. Die anderen Katzen sollten aber nicht zu dominant sein, sondern schon zu mir passen. Ich könnte mit Sicherheit gut von diesen Katzen lernen, wie toll es eigentlich ist, ein Zuhause haben zu können.
 
Was ich mir für die Katzenhilfe wünsche?
Es wäre ganz toll, wenn es auch in Zukunft Menschen gibt, die die Katzenhilfe unterstützen und finanziell ein wenig unter die Arme greifen könnten, da der Verein keine öffentlichen Gelder bekommt, um solchen Seelen wie mir zu helfen.
 
Liebe Grüße
Euer Runer

 

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