Katzenhilfe Hannover e.V.
Katzenhilfe Hannover e.V.

4. Dezember – Marley

Hallo liebe Katzenfreunde,

 

nachdem ich im letzten Jahr davon erfahren habe, dass Katzen, die einmal von der Katzenhilfe Hannover betreut wurden bzw. werden, ihre Geschichten für den Catventskalender erzählen dürfen, dachte ich mir, auch ich möchte gerne meine Geschichte erzählen. Meine Besitzerin wird mir beim Schreiben helfen.

Ich bin im Frühjahr 2014 in einem großen Papiercontainer mit meinen zwei Geschwistern geboren worden. Wir waren ca. 12 Tage alt, als das Altpapier, in dem wir lagen, über ein Fließband in eine Presse transportiert werden sollte. Unsere Retterin von der Katzenhilfe Hannover bestach damals die Arbeiter am Fließband mit einer Kiste Bier, damit sie dieses Fließband einen Moment anhalten, so dass unsere Retterin uns dort schnell wegholen konnte. Leider verfährt dieser Betrieb nach dem Motto „Zeit ist Geld“, weswegen viele Katzenbabys von anderen Katzenmüttern, die ebenfalls dort in Papiercontainern wohnten, auf diese Art und Weise ums Leben kamen.

 

Zum Zeitpunkt als die Katzenhilfe Hannover dort angefangen hat, alle Katzen einzufangen, um sie kastrieren und tierärztlich versorgen zu lassen, lebten auf diesem Recyclinghof 36 Katzen. Alle waren nicht kastriert und die meisten von ihnen verwildert. Unter den 36 Katzen gab es 23 Katzenmütter mit ihren vielen Kitten und wir waren ein Wurf davon.

 

Unsere Retterin nahm uns dann mit nach Hause und zog uns mit der Flasche groß. Gerne hätten die Menschen von der Katzenhilfe auch unsere Mutter eingefangen und zu uns gebracht. Da es aber so viele Katzenmütter gab, konnten wir leider unserer Mama nicht mehr zugeordnet werden, weswegen wir mit der Hand aufgezogen worden sind.

Als wir alt genug waren, wurden meine Schwester Annie und ich zusammen zu lieben Menschen vermittelt. Unser Bruder Finch blieb bei unserer Retterin. In unserem neuen Zuhause lebte noch eine viel ältere Katzendame, aber trotz des Altersunterschieds kamen wir gut miteinander klar. Toll war auch, dass wir in unserem neuen Zuhause – nachdem wir alt genug und kastriert waren – in den Freigang gehen konnten. Es gab einen riesigen Garten an unserem neuen Zuhause.

 

Als ich ca. ein Jahr alt war, jagte mich ein Kater aus der Nachbarschaft in unserem eigenen Garten. Mit meiner Schwester Annie hat er sich das nicht getraut. Die hat sich das nämlich nicht gefallen lassen, sondern ihr Revier verteidigt - und das manchmal so stark, dass die Fetzen flogen. Annie hat ihn jedes Mal in die Flucht geschlagen und damit auch mich verteidigt.  Da ich aber ein sehr sensibler und zurückhaltender Kater bin, habe ich mich immer von dem Nachbarskater einschüchtern lassen. Eines Tages war Annie nicht da, um mir helfen zu können und da hat er mich furchtbar gejagt. Ich flüchtete kreuz und quer durch den Garten und als ich versuchte, zum Haus zu laufen, verfing ich mich in einem Busch. Mein rechtes Hinterbein verklemmte sich in einer Astgabel und ich riss und strampelte, um mein Beinchen befreien zu können. Dann hörte ich ein lautes Knacken und ich verspürte einen wahnsinnigen Schmerz. Ich schrie auf, nicht nur wegen des Schmerzens, sondern auch aus Angst, da der Nachbarskater zum Sprung ansetzte.

 

Meine damaligen Besitzer hörten mein Schreien und sie stürmten in den Garten. Dort fanden sie mich mit meinem in der Astgabel verkeilten rechten Hinterbeinchen vor. Nachdem sie mich vorsichtig befreit hatten, fuhren sie mit mir sofort in eine Tierklinik. Hier wurde dann ein ganz schlimmer Torsionsbruch festgestellt; das heißt, mein Unterschenkel war zweimal gebrochen. Nachdem ich aufwändig operiert wurde, wollte meine Wunde zunächst einfach nicht heilen. Sie entzündete sich immer wieder und mein Körper zeigte Abstoßungsreaktionen auf die Platten und Schrauben, mit denen die Brüche korrigiert worden waren. Zuerst musste ich täglich zur Wundversorgung zum Tierarzt gebracht werden, dann alle zwei Tage. Ich hatte mittlerweile große Angst vor diesem Prozedere und auch keine Lust mehr, weswegen ich mich jedes Mal wie ein Aal unter den Händen der Ärzte wand. Ich musste teilweise mit vier Leuten festgehalten werden, damit der Verbandswechsel und die Wundbehandlung vorgenommen werden konnte. 

 

Da ich jedes Mal nach Angst und Stress und auch nach den Ärzten roch, wenn ich nach dem Verbandswechsel nach Hause kam, kam es nun zu Spannungen mit der alten Katze. Irgendwie entwickelte es sich so, dass ein Zusammenleben mit ihr nicht mehr möglich war. Meine Schwester Annie war wie immer zu mir, nur die alte Katze kam mit mir nicht mehr klar. Zudem waren auch meine damaligen Besitzer mittlerweile mit ihren Nerven am Ende. Sie konnten es psychisch und auch finanziell nicht mehr bewältigen, mich weiterhin zu versorgen. An einem Sonntag wurde ich dann einfach zu meiner damaligen Retterin zurückgebracht und ich verstand die Welt nicht mehr. Noch schlimmer war, dass zu diesem Zeitpunkt mein Bein immer mehr Probleme machte. Die Wunde eiterte und hatte sich wieder geöffnet. Meine Retterin ist am gleichen Tag noch mit mir zur Tierärztin gefahren, die mich sofort in Narkose legte, um die Wunde zu versorgen und wieder zu verschließen. Nun musste ich bei ihr auf der Station bleiben, da die Infektion in meinem Bein mir körperlich richtig zusetzte. Ich hatte hohes Fieber und es bestand die Gefahr, dass ich mein Bein verlieren würde.

 

Über 12 Wochen kämpfte diese Tierärztin um mein Bein und meine Retterin half, wann immer sie konnte dabei, wenn ich versorgt werden musste. Nach wie vor hatte ich nämlich keine Lust, still liegen zu bleiben, wenn der Verband gewechselt bzw. die Wunde versorgt werden musste. Dazu kam, dass ich meine Schwester und auch meine Besitzer vermisste. Ich habe es zu dem Zeitpunkt noch gar nicht begreifen können, dass ich nie wieder in mein Zuhause zurück darf. Gottlob ging es dann mit der Zeit bergauf und es konnte das Vorhaben in Angriff genommen werden, mir ein neues Zuhause zu suchen. Ich war damals sehr traurig, dass ich meine Schwester und meine bisherigen Besitzer nicht mehr wiedersehen konnte, so dass mir erst etwas später klar wurde, wie froh ich darüber bin, dass die Katzenhilfe Hannover mich nicht im Stich gelassen und die teuren Kosten für den 3-monatigen Aufenthalt und die Behandlungskosten getragen hat.

 

Ich war noch bei der Tierärztin, als eine ältere grauhaarige Frau mit ihrer 17-jährigen Katze Gina in die Praxis kam. Die Frau hatte gerade innerhalb von

3 Monaten zwei ihrer geliebten Kater verloren. Die Tierärztin zeigte mich der Frau und ich zeigte mich von meiner besten Seite. Mit Halskrause und der Auflage, tägliche Verbandswechsel in der Praxis vornehmen lassen zu müssen, durfte ich mit zu dieser Frau nach Hause, die mich in erster Linie nur vorübergehend beherbergen und pflegen sollte.  Ich fühlte mich wohl und spielte im Laufe der Zeit mit Gina. Einen großen Garten gab es auch, der zum Spielen, chillen und jagen einlud. Den durfte ich natürlich noch nicht benutzen. Im Laufe der Zeit entschied sich diese Frau, mich dann zu behalten und nachdem mein Beinchen wieder völlig gesund war, durfte ich auch in den Garten. Leider ging es der Gina nicht mehr lange gut, denn sie hatte Nierenprobleme und Arthrose. Ihr Allgemeinzustand verschlechterte sich sehr schnell und sie musste dann leider ihren Weg über die Regenbogenbrücke antreten, damit sie nicht leiden muss.

Nun war ich allein und das war – trotz des Gartens und des Freigangs, den ich haben durfte – nicht so schön. Ich war ein junger Kater und wollte gerne wieder einen Kumpel haben. Dann kam ein Anruf von der Katzenhilfe, die wusste, dass ich nun alleine bin. Sie suchten ein Körbchen auf Lebenszeit für einen jungen Kater, der an einer Autobahnraststätte eingefangen worden war. Da die Menschen der Meinung waren, dass ich mich mit diesem Kater gut verstehen könnte und auch umgekehrt, zog er bei uns ein. Anton, so heißt er, ist ein netter Kerl: er ist selbstbewusst, aber lieb und ein Charmingboy. Als er zu uns kam, war ich ganz lieb, habe ihn willkommen geheißen und ihm Haus und Garten gezeigt. Wir verstanden uns auf Anhieb gut und spielten und tobten durch das Haus.

 

So waren dann ein paar Jahre vergangen und die Jahreszeiten wechselten. Wir waren ein paar Tage vor Weihnachten: genaugenommen war es der 21.12. Ich lag bei meinem Frauchen und wir schmusen. Sie streichelte mich und merkte, dass sich mein operiertes Bein so komisch anfühlte. Sie tastete es ab und stellte fest, dass sich die Schrauben zu lösen schienen. Vor lauter Aufregung wurde uns allen schlecht, aber wir würden das schaffen, dachten wir! Mein Frauchen fuhr mit mir zu der Tierärztin, die mein Beinchen damals gerettet hatte. Ich wurde noch am gleichen Tag operiert und die 9 Schrauben und 2 Platten wurden erfolgreich entfernt.

 

Das Bein hat sich dann im Laufe der Zeit sehr schön regeneriert, indem sich der Knochen gut erholt hat. Ich musste zwar wieder für lange Zeit geduldig sein und durfte nicht übermäßig toben, klettern oder springen, aber ich erholte mich unter Krankengymnastik und der Fürsorge meines Frauchens gut.

Im Herbst 2019 zog dann Simon bei uns ein. Mein Frauchen, das mittlerweile seit langer Zeit die Katzenhilfe als Helferin unterstützte, erfuhr nämlich von ihm. Simon hatte bisher in seinem ganzen Leben nicht viel Glück. Er wurde über die Veterinärbehörde mit zwei weiteren Katzen einem Mann weggenommen, der alkohol- und drogenabhängig war. Als die Katzenhilfe Hannover ihn und seine beiden Freunde übernahm, waren Simon und auch die anderen beiden Katzen in einem grauenhaften gesundheitlichen Zustand. Alle drei Katzen mussten über Wochen ersteinmal aufwändig behandelt und gepäppelt werden, sowie Zahnsanierungen über sich ergehen lassen. Da Simon schon sehr betagt war und auch gesundheitlich einige Probleme hatte, durfte er bei uns einziehen, um hier seinen Lebensabend verbringen zu dürfen. Dafür nahm unser Frauchen auch in Kauf, dass Simon mehrere Male am Tag Tabletten benötigte. Eigentlich dachten alle Beteiligten, dass Simons Zeit bald vorbei sein würde, aber er erholte sich zunehmend bei uns. Anton und ich haben ihm alles gezeigt: das Haus und den Garten. Den Garten fand Simon toll; er lebte, bis er zu uns kam, in einer kleinen verschmutzten und verqualmten Wohnung ohne Balkon bei einem unberechenbaren Mann. Hier im Garten kann er Mäuse suchen, Bienen und Schmetterlinge beobachten und auch Libellen und Igel kennenlernen. Er ist hier richtig aufgelebt und genießt sein Leben. Er läuft die Treppe im Haus noch rauf und runter und geht jeden Tag in den Garten. Das Grundstück verlässt er nie; was Anton und ich aber machen. Wir machen sogar öfter mal einen Abstecher in die nähere Umgebung.

 

So ist es bis heute. Wir drei leben nach wie vor zusammen und wir hoffen, dass es Simon – trotz seiner gesundheitlichen Probleme - auch noch lange vergönnt ist, bei uns bleiben zu dürfen, um seinen Lebensabend genießen zu können. Ja. Das ist meine Geschichte und auch die von Anton und Simon.

 

Was ich mir für die Katzenhilfe wünsche?

Ich wünsche mir, dass die Menschen von der Katzenhilfe noch recht lange für solche Katzen wie mich, Anton und Simon da sein können und dass sie auch noch in den nächsten Jahren Katzen in Not helfen und sie versorgen können. Schön wäre es in diesem Zusammenhang, wenn es Menschen geben würde, die sich vorstellen könnten, den Verein im aktiven Tierschutz zu unterstützen - sei es, beim Einfangen von Katzen zu helfen (nachdem sie es gelernt haben) oder aber als Pflegestelle ein Zimmer für eine Katze zur Verfügung zu stellen, die ein Zuhause sucht.

 

Ich grüße Euch alle und wünsche eine schöne Adventszeit

Euer Marley

Summe unserer Tierarztkosten im Jahr 2021

(Stand: 30. November)

25.087 €

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