Die liebenswürdige Felina
Nachdem unsere beiden betagten Katzen verstorben waren, erschien meinem Partner und mir die erneute Aufnahme einer Katze völlig undenkbar. Auf der Homepage der Katzenhilfe war ich gelandet, weil ich das nun überflüssige Futter aus den Augen haben und verschenken wollte. Ich wäre nie auf die Idee gekommen, mir die Vermittlungsrubrik anzuschauen. Das half aber nichts, es sollte so sein! Felinas Bild prangte auf der Startseite mit der Überschrift „Wer gibt mir ein liebevolles Zuhause?“, und ich hörte mich denken: „Na ich!“.
Tja, und so nahm das Schicksal seinen Lauf … Zwei Besuche in ihrem Pflegezuhause und schon zog Felina, kurz Feli, bei uns ein.
Als ihren Gästen trat Feli uns sehr freundlich und selbstsicher entgegen. Es machte ihr offensichtlich Spaß, mit uns zu spielen und sich streicheln zu lassen. Die Zeit mit ihr verging wie im Flug und der Abschied fiel gleich beim ersten Mal schwer.
Anfang September kam Felina dann zu uns, nicht als Gast, sondern um zu bleiben. Es gab eine herzzerreißende Abschiedsszene, in der Feli gegenüber ihrer Betreuerin ihre ganze Dankbarkeit zum Ausdruck brachte. Doch als es ernst wurde und die Menschen sich an den Papierkram setzten, wurde sie still, sie hatte wohl kalte Pfoten bekommen … Schließlich war das Pflegefrauchen weg und mit ihr schien auch Felinas Selbstvertrauen gänzlich verschwunden. Sie hatte immerhin über eineinhalb Jahre in der Obhut der Katzenhilfe verbracht.
Unsere Wohnung verfügt über einen ausgebauten Dachboden, von dem aus man auf einen kleinen Balkon gelangt. Diesen Raum hatten wir ihr zur ruhigen Ankunft zugedacht und ihn entsprechend ausgestattet. Kaum aus der Box heraus, schritt sie, zwar vorsichtig, doch wie selbstverständlich ihr neues Reich ab, markierte alles und jeden. Wir fanden sie versteckt unter einem Sessel. Dort verharrte sie circa zehn Stunden, bevor sie schon wieder Kontakt suchte.
Die nächsten zwei Tage verbrachte sie noch in ihrem Versteck, sofern wir nicht bei ihr waren. Es war schön zu sehen und schmeichelte uns sehr, dass wir ihr von Anfang an Sicherheit vermitteln konnten. Eigentlich erstaunlich, dass sich so ein ausgesetztes Tier seine Anhänglichkeit gegenüber Menschen erhalten hat.
So nahm sie peu à peu uns, die obere Etage und den Balkon für sich ein, steckte ihre Wege ab, fand ihre Lieblingsplätze. Felina entpuppte sich schnell als wahre Schmusekatze. Oft scherzen wir, wir hätten eine kaputte Katze bekommen, da sie immer „umfällt“ und einem das Bäuchlein entgegenstreckt, sobald man in ihre Nähe kommt.
Apropos Bäuchlein: Von den üppigen Reserven, die sie mitbrachte, hat sie inzwischen einiges verloren, dafür hat sie mehr Agilität gewonnen. Sie wird wohl keinen Mangel mehr erleiden müssen. Zum Glück ist sie, trotz ihrer Erfahrungen, nicht wirklich verfressen. Außer für ihr Trockenfutter zeigt sie wenig Interesse für alles Essbare. Es ist schwer vorstellbar, wie sie mehrere Wochen trächtig auf der Straße überleben konnte, ehe die Katzenhilfe sich ihrer annahm.
Inzwischen ist Felina elf Wochen bei uns. Sie ist weiterhin sehr damit beschäftigt, all die Geräusche ihrer neuen Umgebung kennenzulernen, sowie die Weiten, Höhen und Tiefen des Raums auszuloten. Bei schönem Wetter verbringt sie viel Zeit auf dem Balkon, beobachtet vorbeifliegende Vögel und führt mit frechen Elstern auf dem Dach hitzige Diskussionen. An manchen Tagen, besonders bei kaltem Schmuddelwetter, ist sie ein richtiger kleiner Faulpelz. Dann lässt sie sich nur schwer bis gar nicht zum Spielen überreden und verdöst den Tag im Warmen. Sie hat halt vieles zu verarbeiten … Und keiner weiß, unter welchen Umständen sie die ersten schätzungsweise zwei Jahre ihres Lebens verbracht hat. Oft wirkt sie unsicher und durch ihre geringe Größe wie ein junges, unerfahrenes Kätzchen. Dass sie als stolze Mama sechs Kitten zur Selbstständigkeit erzogen hat, zeigt, was noch in ihr steckt.
In der Beziehung zu uns nehmen gegenseitiges Verständnis und Vertrauen stetig zu. Teilte Feli anfangs noch Pfotenhiebe und Scheinbisse aus, wenn ihr eine Berührung nicht gefiel, oder sie genug hatte, so weiß sie inzwischen, dass ein missbilligender Blick genügt. Waren Ohren und Nacken zunächst für uns tabu, so genießt sie es jetzt hingebungsvoll, dort gekrault zu werden. Unser kleiner Wonneproppen ist so lieb und zuckersüß. Minutenlang tretelt sie sich regelrecht in Trance, wobei sie ein gar zauberhaftes Tänzchen mit hypnotischer Wirkung für die Betrachtenden aufführt. Wie alle Katzen versteht sie es, ihre Menschen allerliebst um den Finger zu wickeln und ihre Wünsche unmissverständlich zu äußern. Sie reagiert auf ihren Namen, hört auf „Nein“ und hat bis jetzt nichts kaputt gemacht. Was wohl auch daran liegt, dass sie die so katzentypische Neugierde etwas vermissen lässt. Felina gehört eben nicht zu denen, die ihre Nase und Pfoten überall hineinstecken müssen.
Dabei gibt es für sie noch so vieles zu entdecken! Denn Feli traut sich die Treppe in die untere Etage nicht herunter. Auch eine alternative Katzenrampe konnte sie bislang nicht davon überzeugen, den Abstieg zu wagen, um den Rest der Wohnung zu erkunden. Doch immer öfter folgt uns ein sehnsüchtiger Blick von oben …
Es wird also für sie als Einzelkatze vorerst bestimmt nicht langweilig werden, bis hoffentlich in nicht allzu ferner Zukunft der Umzug ins Haus mit Garten ansteht.
Wir glauben, dass Feli ihr ganzes Wesen noch gar nicht entfalten konnte und ihr Selbstvertrauen wachsen wird. Es gibt für uns sicherlich noch viele Seiten an ihr zu entdecken … Wir sind gespannt und freuen uns auf die Zukunft mir ihr!
Was wünscht Felina der Katzenhilfe:
Dem Team der Katzhilfe, all ihren Freund*innen und Unterstützer*innen eine besinnliche Adventszeit, ein schönes Weihnachtsfest und ein gesundes 2025! Sie sagt herzlichen Dank für die Fürsorge, die sie durch Sie erfahren hat und wünscht auch zukünftig viel Erfolg und Freude bei dieser wertvollen Aufgabe! Mögen alle Katzen, die noch warten, bald ihr liebevolles zu Hause finden!
Verfasst von einer*einem Freund*in der Katzenhilfe